ÜBER MICH

Katharina Appia hat mich zu ihrem Podcast "Alles da nur Ella nicht" eingeladen - unser Gespräch kannst du hier hören.

Im Abstand von einem Jahr erlebte ich zwei frühe Fehlgeburten in der 7. und 10. Schwangerschaftswoche. Der erste Abort verlief natürlich und ich bin froh und dankbar für die Leistung meines Körpers. Es war eine Angelegenheit mit Blut, Schmerzen und Unsicherheit. Um gleich einen beliebten Mythos aus dem Weg zu räumen: Es fühlte sich nicht an wie eine "starke Periodenblutung". Der zweite Abort fand durch eine Ausschabung in einer Klinik statt. Obwohl der medizinische Eingriff problemlos vonstatten ging und das Personal sehr freundlich war, empfand ich die Ausschabung als genau so grässlich, wie das Wort klingt.

Statistisch gesehen passieren frühe Fehlgeburten sehr oft. Die Information, dass dies ganz natürlich sei ist vielen bekannt und wird häufig im Versuch zu trösten genannt. Ich frage mich, weshalb das Thema dann nicht mit großer Selbstverständlichkeit im Detail und in aller Öffentlichkeit besprochen wird, ähnlich wie Schwangerschaften, Kita-Geschichten etc. Erst, als ich anderen von mir erzählte, hörte ich viele ähnliche Geschichten in der Familie, im Freund*innen- und Bekanntenkreis.

Leider war der Austausch nicht immer leicht, selbst mit einigen Personen, die mir nahestehen. Ich war lange empfindlich und nahm einige tröstlich gemeinte Reaktionen als kränkend wahr: "Es war ja noch ganz klein", "andere verlieren ihre Schwangerschaft noch viel später", "das nächste Mal klappt es bestimmt". Es kam mir vor, als würde mein Schreck relativiert und das Gespräch möglichst rasch beendet. Gleichzeitig erkannte ich das Unverständnis und die Unbeholfenheit wieder, die auch ich vor meiner ersten Fehlgeburten gehabt hatte. Als tröstlich empfand ich: Körperpflege, Blumen, Postkarten, "das tut mir leid für dich/ euch", "ich weiß nicht, was ich sagen soll".

Obwohl das Muttersein bisher nicht mein großes Lebensziel gewesen war, fühlte ich mich traurig, orientierungslos und allein. Ich zog mich für lange Zeit zurück und fand hilfreiche Blogs, Podcasts, Artikel und Bücher. Ich hätte mir gewünscht, weniger einsame Recherche betreiben zu müssen und stattdessen in Ruhe mit anderen Personen sprechen zu können, anderen zuhören zu dürfen und - nachdem ich wieder etwas bei Kräften war - meine Unterstützung anzubieten. Die Erfahrung und die damit verbundenen Fragen und Gefühle also mit der Selbstverständlichkeit zu handhaben, die ihr statistisch gesehen offenbar zusteht.

Die nächsten Schritte zu finden brauchte Zeit, zumindest für mich. Ich wünsche allen, denen es ähnlich geht, Ruhe, Selbstachtung und Räume wie diesen Club, um das Erlebte zu teilen.

Take care, Linda